Freitag, 15. Februar 2008

Der neue Mitbewohner...

"Ich werde die nächsten Monate beruflich nach Saudi-Arabien gehen", waren jene Worte von meinem eigentlichen Mitbewohner Anfang Januar, die in mir die Freude aufsteigen ließen.
Das bedeutete also, ich hatte sturmfrei und konnte tun und lassen, was ich wollte.
Was hieß das für mich eigentlich? Nackt durch die Wohnung tänzeln, ohne Scham 80s a là "I'm So Excited" durch die Wohnung trällern, mich einsam besaufen mit Jules Mumm und Ramazzotti oder einfach die Wohnung durchweg sauber halten. Nein, das heißt ja nicht sofort, dass man gewissen Menschen einladen möchte, damit man ungestört sein kann. Wobei, es gäbe da vielleicht jemanden...?! Egal, es war einfach ein Gefühl der Freiheit und ich freute mich auf diese "einsame" Zeit, auch wenn ich meinen Mitbewohner wirklich mag...klar, er weiß nicht wie man putzt, kocht oder Wäsche ins Zimmer verfrachtet und er hat eine Freundin, die sich Bepanthen Crème auf die Nase schmiert, bevor man in eine Bar geht, aber eigentlich ist das gemeinsame Wohnen wirklich angenehm.
Doch am Vorabend vor der Abreise bekomme ich mitgeteilt "Du, ist es ok, wenn ein Kollege solange ich weg bin in mein Zimmer zieht, er sucht gerade eine Wohnung in München". "Ja, natürlich, kein Problem" sagte ich und dachte "was eine Scheisse, hoffentlich kommt keine Pissnelke". Ich war nicht mehr allzu guter Laune als er dann 3 Tage später in der Tür stand (Gott sei Dank hatte er geklingelt und auch vorher Bescheid gegeben- man weiß ja nie, was sonst gewesen wäre).
Ich ahnte es schon, bevor ich es mit eigenen Augen sah- er war nicht nur Unternehmensberater, er sah auch noch genauso aus. Wollpullover mit Hemd darunter und im Wind verflogene Haare (Haarschnitt Blumentopf nur in Farbe braun) und angegraute schwarze Bügelfaltenhose mit Aufschlag.
"Hi" sagte ich, "ich bin Heike"
"Hallo", meinte er "ich bin der Hagen" (Name von der Redaktion geändert, man weiß ja nie, aber kommt dem echten einigermaßen nahe)
In Wirklichkeit wäre ich um 16 Uhr an einem Samstag Mittag sowieso nicht nackt gewesen und hätte auch nicht auf You're my heart, you're my soul Disco Fox mit mir alleine getanzt, nein, ich hatte gekocht.
"Möchtest Du gerne mitessen" höre ich mich fragen (ich bin von Natur aus ein wirklich gutmütiger Mensch) und die Antwort war klar.
Wir unterhielten uns blendend, wenn man es positiv und serh wohlwollend (belangloser Smalltalk mit vorgespieltem Humor), aber jedenfalls aß er mit, er lobte meine Kochkünste und teilte mir mit, dass er gleich wieder weg müsse und am nächsten Tag auch nicht da sein würde. Das stimmte mich wieder recht munter.
Ich war beruhigt und zufrieden und freute mich auf einen entspannten Sonntag.
Doch tatsächlich kam es wie gedacht.
Unternehmensberater, 30, komische Frisur, keinen Geschmack in Kleiderfragen auch wenn Polo Sport drauf zu erkennen war und v.a. kein Geld. Äh Moment, wie kein Geld. Ja, das hätte man meinen können als er angefangen hat in der kommenden Woche wie ganz selbstverständlich an all meinen Beitztümern von Essen, über Trinken etc. zu bedienen und mich auch noch als seelischen Papierkorb zu verwenden. Ich konnte es nicht fassen. Ich rechnete und rechnete und kam immer auf den gleichen Betrag der monatlich auf meinem Konto landete, Praktikantengehalt 500 Euro ohne Abzüge. Hellau. Gehalt eines UBs geschätzte 5000-7000 Euro brutto im Monat (für Einsteiger)...to be continued...

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

haha heike das ist echt geil! mein beileid! hab aber wirklich schmunzeln müssen...