Es Dienstag und ein unglaublich schöner Frühlingstag im April. Über 20 Grad und Sonne pur. Ein Tag, an dem man auf alles Lust hat, außer arbeiten. Um wenigstens mein Hungergefühl befriedigend abzustellen, bestellten wir heute Pizza direkt am Rosenkavaliersplatz. Ich stellte mich freiwillig dieser Aufgabe und wollte in der Wartezeit ein wenig die Sonne genießen und evtl. auch schnell zum Rewe. Ein Zigarettchen schmeckt bei solch einem Wetter und auf einer Parkbank gleich doppelt so gut und man kann so schön seinen Gedanken nachgehen. Nun, dazu kam es nicht. Bereits nach 30 Sekunden setzte sich eine Dame zu mir auf die Bank.
Ich meinte zu ihr, dass sie sich gerne setzen kann, wenn es sie nicht störe, dass ich gerade rauche, aber sie erwiderte nur, dass ihr Tochter auch rauche und sie würde es nicht schaffen aufzuhören. Und so begann alles. sie erzählte, dass der Mann ihrer Tochter, ein Italiener, aufgehört hatte zu rauchen und auch keinen Rotwein mehr trank. Ihr Mann und sie hätten beide nie geraucht. Doch seit ihr Mann in Rente sei, hätte er ein Problem mit Alkohol. Sie fuhr fort, indem sie zu mir sagte, dass sie Angst hatte, sich große Sorgen mache und vor allem misstrauisch war. Immer öfter war er betrunken oder verschwand hinter der Ecke für ein Bier. 4 Jahr ging das nun schon so. Und sie weiß nicht weiter und woher sie die Kraft nehmen sollte. Die Frau weinte und ich konnte ihre Verzweiflung sehen. Doch wie soll ein ganz fremdes, junges Mädchen einer sehr erwachsenen Frau helfen? Ich schien wirklich eine gewisse Wirkung auf sie auszustrahlen, Ruhe und Vertrauenswürdigkeit und ich empfand großes Mitleid.
Die Geschichte ging noch weiter, doch ich möchte nun nicht jedes Detail wiedergeben und ein wenig von dem, was sie mir erzählte, für mich behalten.
Es macht mich ein wenig nachdenklich. Irgendwie bedeutet es, dass jeder da draußen eine Geschichte hat. Jeder einzelne trägt eine Last mit sich herum und man sieht es hinter der Oberfläche nicht. Es ist interessant, wie egoistisch man durch die Gegend wandert, in dem Glauben, es trifft einen immer am schlimmsten, dabei passiert jedem Menschen Unglück.
Ich finde es bewegend, dass sie mir das erzählte, in meiner Mittagspause, in der ich auf unsere Pizza wartete.
Jeder Tag ist anders, in der einen Mittagspause bricht mir ein Stück Zahn heraus und in der nächsten erfahre ich eine ganz besondere Geschichte einer älteren Dame, die 45 Jahre verheiratet ist.
Verheiratet und loyal ist, obwohl man ihr ansehen konnte, dass sie am liebsten gehen würde, dass es sie kaputt macht und vor allem, dass sie nicht glücklich ist, nicht mehr und das schon ziemlich lange nicht mehr.
Beziehung, Ehe, Partnerschaft sind Begriffe von Bindung, aber nicht von Glück, das sollte nie verwechselt werden. Es ist das Ziel der meisten Menschen, aber es bedeutet nicht immer Glück und Liebe, manchmal bedeutet es einfach nur Selbstlosigkeit, Alleinsein, Unglücklichsein. Wofür es sich lohnt zu kämpfen und der Verzicht auf Normalität im richtigen Moment, dies sind Dinge, die jeder für sich entscheiden muss- solange man sich selbst nicht aus den Augen verliert, dafür aber einfach einmal, das was für andere richtig zu sein scheint.